Inhalt in myHoval gespeichert

Datei in myHoval gespeichert

Es ist ein Fehler beim Merken des Inhalts in myHoval aufgetreten.

Mechanische Kühlung ist hier nicht nötig, das spart Energie

Mechanische Kühlung ist hier nicht nötig, das spart Energie

Rechenzentrum Gais, Kanton Appenzell Ausserrhoden, Schweiz
  • Datenzentrum
  • Neubau

In Gais/AR entsteht ein echter "Datensafe". Das adiabatische Kühlsystem ServeCool spart ca. 70% Energie im Vergleich zur herkömmlichen Kühlung.

Im kleinräumigen Appenzellerland kann vieles gross werden – nicht relativ, sondern absolut. Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) errichten gerade ein Data Centre – der Rohbau ist fertig. Die Attribute: höchste Sicherheit, hohe Kapazität und höchstmögliche ökologische Nachhaltigkeit.

3670 m³ Beton und 320 t Armierung umschliessen das Rechenzentrum. Auf zwei Stockwerken kommen auf je 450 m² je 150 Server-Racks zu stehen. Ab 2018 werden hier Kunden ihre Daten speichern. Das Gebäude werde „bis zu jedem einzelnen Rack redundant erschlossen sein“, so das Versprechen des Stromversorgers und Datendienstleisters SAK, der sich mit dem Rechenzentrum ein weiteres Geschäftsfeld erschliesst. In der Ostschweiz entstehe damit ein „Datentresor der höchsten Sicherheitsstufe Tier IV mit beinahe 100-prozentiger Verfügbarkeit“, doppelt die Regionalzeitung nach.

Energieeffizienz neu definiert

Den Standort Gais haben die SAK mit Bedacht gewählt: Auf 919 Meter über Meer gelegen, ist der Ort klimatisch ideal für ein Data Centre. Freie Kühlung mit angesaugter Aussenluft und adiabate Kühlung reichen aus, um die Server-Räume permanent zu kühlen. Eine mechanische Kühlung ist nicht nötig.

Die Klimageräte ServeCool – Hoval hat die Linie spezifisch für Rechenzentren entwickelt – kommen in Gais also ohne Kaltwassersatz zum Nachkühlen und somit ohne Kompressoren aus. Für die adiabate Kühlung wird in den Klimageräten Wasser auf die Aussenluft gesprüht, damit sie abkühlt. Die adiabate Kühlung nutzt somit Feuchtigkeit, welche Wärme aus der Luft aufnimmt, um deren Temperatur zu senken. In Gais wird Regenwasser für die adiabate Kühlung gesammelt.

Kernstück der Klimageräte ServeCool sind die Kreuzstrom-Plattenwärmetauscher. Hoval hat sie gemeinsam mit Hoval Enventus spezifisch für ServeCool entwickelt. Mit ihrer Seitenlänge von 1,20 m gehören sie zu den grössten Einzelplatten, die Hoval Enventus herstellt. Das Mass erlaubt eine überdurchschnittlich hohe Rückwärmzahl.

Die Totalfläche der höchsteffizienten Plattenwärmetauscher beläuft sich in Gais auf 1200 m². Da Aussenluft und Umluft getrennt durch den Wärmetauscher strömen, kann weder Staub noch Feuchtigkeit in das hochempfindliche Rechenzentrum eindringen.

Klar, die acht ServeCool-Klimageräte pro Stockwerk beanspruchen mit ihren Kreuzstrom-Plattenwärmetauschern ihren Platz. Dafür sind keine Wasserleitungen nötig, um die Wärme abzuführen. Und mit ihrer Effizienz tragen sie massgeblich dazu bei, dass der PUE-Wert mit 1,15 weit unter dem Durchschnitt von 1,5 für Rechenzentren liegt. Der PUE- oder Energieeffizienz-Wert – PUE steht für Power Usage Effectiveness – errechnet sich aus der Gesamtstrom-Aufnahme geteilt durch den Energiekonsum der Server-Racks.

Abwärme für die Käserei

Und was passiert im Data Centre Gais mit der Abwärme? Hier blitzt die Pionierhaltung der SAK gleich nochmals auf, und die Technologie kommt zur Natur: Unmittelbar neben dem Rechenzentrum steht die Bergkäserei Gais. Sie wird einen Teil der Wärme nutzen, um Milch zu pasteurisieren. Christoph Baumgärtner, bei der SAK verantwortlich für den Bau und den Betrieb des Data Centre in Gais, rechnet mit Wärme von 1,5 Mio kWh. „Damit verwerten wir allerdings nur 10% der anfallenden Abwärme“, fügt er an und verweist darauf, dass Abwärme auch zum Heizen des Gebäudes vorgesehen sei.

Der markante schwarze Kubus in Gais hat seine Farbe übrigens von der Photovoltaik, Paneele bedecken das Dach und alle vier Aussenwände. Sonnenenergie kann Spitzen abdecken. Und Strom aus Wasserkraft ist immer noch das Kerngeschäft der SAK. Das Data Centre in Gais nimmt Nachhaltigkeit sehr wörtlich.

Unser System spart im Vergleich zur klassischen Kühlung rund 70% Energie ein.

Rechenzentren und Flugzeuge

Zwei Wissenschaftler kommen zu einem erstaunlichen Schluss: Der Ire Peter Corcoran und der Schwede Anders S.G. Andrae halten in einer gemeinsamen Studie fest, dass der weltweite Energieverbrauch der Rechenzentren vergleichbar sei mit dem Energieverbrauch des globalen Flugverkehrs. Christian Richter, der bei Hoval die adiabate Kühlung von Rechenzentren verantwortet, fügt eine ebenso überraschende Zahl an: „Unser System spart im Vergleich zur klassischen Kühlung rund 70% Energie ein.“