FAQ - Fernwärme

Was ist ein Fern- und Nahwärmenetz?

Es handelt es sich um ein Verbund von Energiebezügern und Energielieferanten. Dabei werden Gebäude und Anlagen thermisch verbunden. Dies hat den grossen Vorteil, dass man mit grösseren und somit effizienteren Anlagen die thermische Energie allen Nutzern bedarfsgerecht zur Verfügung stellen kann. Die Reichweite von solchen Verbunden geht von wenigen Einfamilienhäusern bis zu Bürokomplexen oder industrielle Anlagen mit grosser thermischer Abwärme.

Wegweiser für moderne Heizsysteme und Wohnungslüftung S. 24-25

Wie funktioniert ein Fern- und Nahwärmenetz?

Das wichtigste Element in einem Wärmeverbund ist der Energieerzeuger. Dies kann beispielsweise ein Blockheizkraftwerk, eine Biomasseheizung oder auch eine Fabrik mit Abwärmenutzung sein. Bürokomplexe, Rechenzentren oder die Industrie können so die anfallende Wärme weiter verkaufen ohne diese sinnlos an die Umwelt abzugeben. Die thermische Energie wird mit einem Trägermedium (meist Wasser) an einer Übergabestation an das Verbundnetz abgegeben. Dieses speist dann die angeschlossenen Gebäude/ Prozesse nach dem individuellen Bedarf. Jeder Bezüger hat wiederum eine Übergabestation, welche die benötigte Energie aus dem Verteilnetz bezieht. Der Heizungs- und Warmwasserkreislauf auf der Nutzerseite wird hydraulisch meist vom Verteilernetz entkoppelt. Verbundnetze sollten möglichst kurz gewählt werden, da Verluste auf langen Leitungen sehr gross werden.

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Wie finde ich Fernwärmebetreiber?

Fernwärmebetreiber sind häufig Unternehmen mit grosser anfallender Prozesswärme. Die Betreiber sind über Fernwärme Schweiz abrufbar. Wichtig ist, dass sich das Gebäude auch im Einzugsgebiet des Fernwärmebetreibers befindet. Jeder Fernwärmebetreiber hat seine eigene Anschlussvorschriften (TAB/TAV: Technische Anschlussbedingung oder Anschlussverordnung) und diese müssen vom Hersteller unbedingt beachtet werden.

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Fernwärme Schweiz

Was kostet eine Übergabestation für ein Einfamilienhaus?

Eine Übergabestation kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus ca. 19‘000 Fr. Darin sind allfällige Netzbauten, welche den Fernwärmebetreiber mit dem Haus verbinden, noch nicht enthalten. Sobald die Leistungen oder auch gewisse Anschlussvorschriften die Kataloggeräte für eine Anwendung ausschliessen, muss eine für diese Anwendung spezifische Anlage konstruiert werden. Dabei sind die Preise nicht so einfach anzugeben, da diese stark von der gewählten Konstellation abhängen.

Richtpreise für diverse Heizsysteme

Was kostet eine Übergabestation Jahr?

Die Kosten für die bezogene thermische Energie werden vom Fernnetzbetreiber individuell festgelegt.

Welches sind die häufigsten Vorurteile eines Wärmeverbundes?

Häufig gibt es das Vorurteil, dass Industrieabwärme benötigt wird um ein Wärmeverbund zu erstellen. Dies ist falsch, man kann auch in einem Quartier mit Wohnhäusern einen Nahwärmeverbund erstellen. Dieser kann dann beispielsweise mit einer Biomasseheizung zentral beheizt werden. Nah- und Fernwärmenetze haben, entgegen häufiger Annahmen, eine sehr hohe Versorgungs- und Betriebssicherheit. Viele Hausbesitzer vertrauen dieser Technologie jedoch nicht ganz und haben lieber ihren eigenen Wärmeerzeuger im Keller. Diese Annahme ist jedoch unbegründet, da jeder Fernwärmebetreiber, der über eine technische Anschlussvorschrift verfügt, grundsätzlich auch über einen zusätzlichen Wärmeerzeuger abgesichert ist. Dieser sorgt für eine hohe Versorgungssicherheit während eines potentiellen Ausfalls des Hauptwärmeerzeugers.
Wärmeverbundnetze eigenen sich auch sehr gut für Sanierungen, das bestehende Heizsystem kann vollständig durch eine Übergabestation ersetzt werden.

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